22 | 02 | 2012
AC Bodensee-Österreich
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Pfarrer-Initiative

Pfarrer Roland Trentinaglia,

2012-Jänner-09 

www.pfarrer-initiative.at 

 

Trentinaglia Roland, Jahrgang 1948,
Theologiestudium an der Uni Innsbruck,
1975 zum Priester geweiht,
3 Jahre Kaplan in Hohenems,
7 Jahre Kaplan in Bregenz, St.Gallus,
seit 1985 Pfarrer in Hörbranz
und  Hohenweiler 

 

 

 

Gleich zu Beginn des Neuen Jahres startete der Ambassador Club Bodensee Österreich mit einem spannenden und sehr emotionsgeladenen Thema. Keine andere Institution prägte und dominierte die Europäische Gesellschaft in den letzten 2000 Jahren mehr als die Kirche, im Besonderen die Römisch-Katholische. Die Kirche ist nicht nur durch die laufenden Enthüllungen der letzen Dekaden immer wieder in den Schlagzeilen, sondern auch durch die vielen Entscheidungen an den Gläubigen vorbei – zumindest ist dies der Eindruck, welchen ein großer Teil der Gläubigen haben. Ist die Kirche noch „unsere“ Kirche? 

Als Gastreferent konnte Pfarrer Roland Trentinaglia gewonnen werden, welcher in einer sehr sachlichen und ruhigen Art und Weise die Ambassadoren in dieses Thema ein führte und in knapp 1,5 Stunden die Entwicklung der Kirche seit Gründung bis zur heutigen aktuellen Situation skizzierte. Um den Zeitrahmen nicht zu sprengen und trotzdem die Entwicklung der Römisch-Katholischen Kirche verstehen zu können, dienten die Konzile als Leitfaden. 

In der Diskussion mit den Ambassadoren zeigte sich, daß sehr viele heutigen Probleme der Kirche bereits im „Zweiten Vatikanischen Konzil“ (1962-1965) behandelt wurden. Wegweisende Entscheidungen wurden getroffen, welche jedoch bis zum heutigen Tag nicht, oder nur zu einem geringeren Teil umgesetzt wurden. Für viele heute aktuelle Probleme wie Priestermangel, Gemeinschaftliches Gefühl von Kirche und Kirchenvolk, Umgang mit Geschiedene, etc. wurden in diesem Konzil Lösungen und Vorgehensweisen beschlossen, jedoch nicht umgesetzt. 

Pfarrer Roland Trentinaglia verstand es in eindrucksvoller Weise die vielen teilweise sehr kritischen Fragen der Ambassadoren kompetent zu beantworten und gleichzeitig auch zum Nachdenken anzuregen. Besonders beeindruckt waren auch Ambassadoren, welche mit der Kirche nicht viel anzufangen wissen, von der Pfarrer-Initiative, über welche Pfarrer Trentinaglia informierte. Wie aus den Rückmeldungen der Ambassadoren zum Clubabend leicht zu erkennen ist, trifft die Pfarrer-Initiative die Herzen der Menschen!!

 

Stellvertretend einige Rückmeldungen 

Hallo Charly,

Das Referat von Trenti war das beste - über die Kirche - das ich bisher gehört habe; ein Mann der in der Lage wäre, den Staub von Mutter Kirche wegzublasen und dem Glauben wieder Inhalte zu geben.
Ich selbst bin ein gläubiger Mensch, gehe gerne in die Kirche, kann aber trotzdem mit Bischof, Kardinälen, Papst, Zölibat und den vielen Dogmen nur wenig anfangen.
Ich hoffe sehr, dass Roland Trentinaglia von seinem Weg nicht abweicht und die Pfarrerinitiative  erfolgreich wird.
Mit ihm ein längeres "ArbeitsMeeting" zu machen, könnte ich mir sehr gut vorstellen; man müsste sich das ernsthaft überlegen, vielleicht im nächsten Jahr !!!

Liebe Grüsse Reinhard

 

Pfarrer Roland Trentinaglia

Es ist wirklich heute – mehr denn je – notwendig -, sich um die Zukunft unserer Glaubensgemeinschaft, der Kirche, zu kümmern!  „Es geht mich nichts an“, wäre der falsche Weg, da jeder von uns – auf Grund seiner Taufe, das „Bild“ der Kirche repräsentiert!

 

Zum Thema: Pfarrer-Initiative:

Diese Gruppierung ist aus der Sorge um die Ortskirchen entstanden. Um das zu verdeutlichen (am Beispiel Vorarlberg):  124 Pfarrgemeinden gibt es bei uns; diese werden von 147 Priestern betreut. Weit über die Hälfte der Priester sind aus den Jahrgängen 1910 – 1950. Das heißt aber auch, wenn wir diese Altersstruktur der Pfarrer ansehen, dass bis in spätestens 10 Jahren mindestens die Hälfte der Pfarreien in Vorarlberg keinen Pfarrer mehr hat. Österreichweit schaut es nicht anders aus! „Nachwuchs“ keiner in Sicht.  Man behilft sich durch die Strategie von Pfarrzusammenlegungen. Somit sind bereits heute in Vorarlberg 30 Gemeinden ohne eigenen Pfarrer. 

 

Was ist nun die österreichweite Pfarrer-Initiative? 

·       Die Pfarrer-Initiative ist eine Bewegung für lebendige Gemeinden und gegen das Zusperren der Pfarren

·       Wir wollen Mut machen und Reformen andenken und nicht (auf Grund unseres Alters) nach dem Motto vorgehen: „Hinter mir die Sintflut“

·       Wir wollen neue Wege suchen – auch, um Altbewährtes zu erhalten.

·       Wir Pfarrer beobachten mit drängender Sorge und wachsender Unzufriedenheit, wie die Leitungsverantwortlichen in den Ortskirchen und in der Weltkirche derzeit mit den großen offenen Fragen und Problemen in unserer Kirche umgehen! 

Die römische Verweigerung einer längst notwendigen Kirchenreform und die Untätigkeit der Bischöfe zwingen uns nahezu, dem Gewissen zu folgen und selbständig tätig zu werden: 

Das heißt: 

·       Wir werden gutwilligen Gläubigen grundsätzlich die hl.Kommunion (Eucharistie) nicht verweigern. Dies gilt besonders für Geschieden-Wiederverheiratete, für Mitglieder anderer christlichen Kirchen – auch für Ausgetretene.

·       Wir werden möglichst vermeiden, an Sonn – und Feiertagen mehrfach zu zelebrieren, oder durchreisende oder ortsfremde Priester einzusetzen. Besser ein selbstgestalteter Wortgottesdienst (durch Pfarrangehörige Frauen, Männer, Jugendliche) als liturgische Gastspielreisen

·       Wir werden künftig einen Wortgottesdienst mit Kommunionspendung als „priesterlose Eucharistiefeier“ ansehen und auch so nennen. So erfüllen wir die Sonntagspflicht in priesterarmer Zeit. Denn wichtig ist in erster Linie nicht, wer vorne am Altar steht,  sondern wichtig ist das Zusammenkommen der Gläubigen, die miteinander Gott loben, preisen, danken und einander beim konkreten Leben helfen!

·       Wir werden auch das Predigtverbot für kompetent ausgebildete Laien und Religionslehrer missachten. Es ist einfach notwendig, dass das Wort Gottes verkündet wird!

·       Wir werden uns dafür einsetzen, dass jede Pfarre einen eigenen Vorsteher hat: Mann oder Frau, verheiratet oder unverheiratet, hauptamtlich oder nebenamtlich.  Das aber nicht durch Pfarrzusammenlegungen, sondern durch ein neues Priesterbild.

·       Wir werden deshalb jede Gelegenheit nutzen, uns öffentlich für die Zulassung von  auch von verheirateten Männern und Frauen zum Priesteramt auszusprechen. Wir sehen in ihnen willkommene Kolleginnen und Kollegen im Amt der Seelsorge. 

Was wäre nun wichtig? 

Ich weiß, es gibt genügend Menschen, die mit der Amtskirche und dem dazugehörigen schwerfälligen Apparat unzufrieden sind und austreten. Das ist der einfachste Weg! Nicht Austreten, sondern AUFTRETEN muss die Devise sein! Hast Du „die Kirche“ (bei Bedarf) – oder hat die Kirche DICH? 

Und das wollen wir „alt-gewordenen“, vom Geist des 2. Vatikanischen Konzils geprägten Pfarrer! Wie man uns unterstützen kann? Einfach dieser Bewegung, der schon viele Priester und Laien in Österreich angehören, beitreten: 

www.pfarrer-initiative.at 

Weitere Rückmeldungen von Ambassadoren 

Hallo Charly,

BEEINDRUCKT HAT MICH WIE DRIESTE ES UM DEN PFARRERNACHWUCHS AUSSCHAUT: Von über ca.3500 Priester sind 1200 Jahrgang 1910 bis 1950. Bereits mehr als 30 Pfarreien sind nicht mehr mit einem Priester besetzt. Unterstütze die Pfarrerinitiative voll und hoffe dass das Zölibat fällt.

Mit freundlichen Grüßen Sepp 

Hallo Charly!

Hier mein Kommentar:
Trenti hat beide Beine auf dem Boden. Es war eine Unterrichtsstunde erster Güte: sachlich, mutig, ehrlich, lehrreich. Der Pfarrerinitiative wünsche ich viel Erfolg. Trentinaglias Ausführungen lassen Hoffnungen zu!

Gruß Helmut

 

Hallo Charly,

ich möchte mich nicht auf einzelne Punkte über den gestrigen Abend einlassen.
Ich bin von Herrn Pfarrer Roland Trentinaglia, seinem Wissen, seiner Einstellung zu den problematischen Themen der Amtskirche mehr als beeindruckt.

Herzliche Grüsse, Manfred

 

Hallo Roland,

deine Ausführungen gestern Abend in unserem Ambassador-Club (den ich vor etlichen Jahren als erster Präsident gegründet habe) haben mich nicht überrascht - dennoch recht positiv beeindruckt. Ich denke, du hast mit sehr vielem recht was du gesagt hast.
Ich wünsche dir viel Kraft und Ausdauer bei der Unterstützung einer guten Sache, die richtige Diplomatie und Härte in der Umsetzung von notwendigen Forderungen - immer in Blickrichtung einer realistischen Umsetzungsmöglichkeit. Damit eines Tages zumindest ein Großteil eurer Zielsetzungen realisiert werden (!)

LG  Luky

 

Hallo Charly;

Was ich mitnehme ist, dass:

- die katholische Kirche ihre eigenen Vorgaben (Konzil 1964) nicht einhält (strategische Vorgaben werden nicht erfüllt)

- die Basis dient nur der Finanzierung, hat kein Mitspracherecht und wird nicht gehört

- trotzdem alle Sturmglocken läuten (59.000 + Kirchenaustritte in 2010), wird engstirnig an der Macht festgehalten und ein Rückgang der Kirchenaustritte in 2011 auf nur über 40.000 in den Medien als Fortschritt verlautbart.

+ mit kirchlichen Vertretern wie Roland Trentinaglia ist noch nicht alles verloren.

LG Alfred

 

Hallo Charly

Pfarrer Roland Trentinaglia hat mir sehr gut gefallen, vor allem als Mensch. Höchst interessant sein (kurzer aber informativer) Rückblick auf die Geschichte der katholischen Kirche. Hätten die Kirche überwiegend solch aufgeschlossene Leute, könnte ich mich wieder mehr mit diesem „Verein“ identifizieren. Die Pfarrerinitiative unterstütze ich vollinhaltlich! Der derzeitige Führungsstil und die Behandlung der jüngsten Vorkommnisse, ich spreche hier vor allem den Missbrauch an, haben mich veranlasst auszutreten.

Hoffentlich können die wenigen „Revoluzzer“ etwas bewegen. Ich wünsche es ihnen persönlich und der Kirche als Ganzes. Leider kann ich seinen Optimismus, dass sich die oberen Herren geistig bewegen werden nicht teilen.
Jedenfalls ein schöner interessanter Abend! 

Gruss Harald

 

Lieber Charly,

Meine Gedanken:

In den Ausführungen von Pfarrer Trentinaglia war viel Wahrheit und viel Aufklärung aber auch viel Resignation. Mein Gefühl ist, dass es Rom nicht um den Glauben und die Kirche geht, sondern nur um die Machterhaltung um jeden Preis, egal wie viele „Schäfchen“ dabei noch draufgehen (Kirchenaustritte) Eine zentrale Rolle spielt dabei das Opus Dei. Es hat den Anschein, dass die Entscheidungen des Papstes in sämtlichen Organisations- und Kirchenrechtsfragen vom Opus Dei beeinflusst werden. Jeder Föderalismus und jeder Liberalismus ist da im Weg. Ich kann mich nur der Aussage von Benno Elbs (bei seinem früheren Vortrag bei uns) anschließen, der sinngemäß sagte: Es ist ein Phänomen, dass in einem Verein (Kirche) so viele Passivmitglieder so viel Mitgliedsbeitrag bezahlen.

Ich finde die Pfarrer-Initiative gut, aber die Anzahl der Pfarrer, die nicht mitmachen oder gar dagegen sind ist einfach zu groß, um ein Umdenken in Bischofskreisen zu bewirken und solange das so ist, werden die Mutigen ausgegrenzt und deren Existenz gefährdet und die Feigen und Linientreuen belohnt.

Wenn es eine Möglichkeit gibt, die Mutigen zu unterstützen, bin ich dabei!

Liebe Grüße, Edgar 

 

Hallo Charly,

„Pfarrer-Initiative macht gravierenden Fehler mit ihrem Aufruf zum Ungehorsam!“. 

Die Initiative müsste viel eher einen „Aufruf zum Gehorsam“ an die Kirchenfürsten und –barone und (Vaticanos) richten: Diese Herren (= Vorgesetzte der Pfarrer) sollten endlich einmal das vom 2. Vatikanischen Konzil beschlossene Strategie- und Maßnahmenpaket umsetzen. Stattdessen torpedieren diese auf hohen und höchsten Ebenen und hintertreiben diese einstigen Beschlüsse. In (wirtschaftlichen) Organisationen wird Führungskräften, die sich nicht an die formulierten Ziele, Strategien und Regularien halten, von den Aktionären/Mitgliedern einfach der Stuhl vor die Türe gestellt (z.B. bei der Schweiz. Nationalbank als vergleichbar kleiner Organisation). Offensichtlich ist es global an der Zeit, von Führungskräften Verbindlichkeit und Verlässlichkeit einzufordern. Sogar auf nationalen Ebenen wurden manche Patriarchen mit Schimpf und Schande verjagt. 

Den zahlenden, glaubenden oder sonstigen Mitgliedern in dieser bereits gespaltenen Organisation ist offensichtlich nicht bewusst, dass die obere Nomenklatur sich nicht an die beschlossenen Regeln hält oder gar halten will. Egal: ob finanzielle Strukturen bis zum IOR (nachzulesen in der „Vatikan AG“) oder der Zölibat. Dieser ist ja auch die Ehelosigkeit und nicht Enthaltsamkeit wie ja nicht nur der damalige Bischof Wolf-Dietrich von Raithenau (Domherr zu Salzburg/Lochau) mit seinen fast 20 Kindern; oder auch der damalige Pfarrer Fischer von Wolfurt (mit seinen 3 Kindern – direkter Vorfahre des gerade abgetretenen Vorarlberger Bischofs Elmar Fischer) zeigten – Erbrecht sei Dank (ma muass s’Züg zemma heba)!  - Und dies obwohl sinnigerweise der jetzige Papst Benedikt die Formulierungen und Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils vor 50 Jahren wesentlich mitgestaltet haben soll. 

Bin gespannt, ob die Missachtung der kirchlichen Regeln des 2. Vatikanischen Konzil zu einer verschärften Diktatur der greisen Denker führen wird. 

Vielleicht müssten unsere Rechtsanwälte einmal Möglichkeiten für die Kirchenbeitragszahler formulieren, die da heißen: „Kirchenbeiträge werden bis auf weiteres auf ein Treuhandkonto überwiesen – und zwar so lange, bis die Katholische Kirche die Beschlüsse des 2. Vatikanischen Konzils nachweislich umgesetzt hat. Erst dann dürfen diese freigegeben werden.“

Wolfgang